Es gibt intelligentes Leben im Netz. Entdeckt habe ich es an einer eher überraschenden Stelle … Wie einige aus der Branche beobachte ich die Marke „Sascha Lobo“ seit ihrem Launch und stelle fest, dass die Strategie nicht nur aufgegangen ist – sie ist sogar genial. Und warum? Weil sich die Marke weiter entwickelt. Man nehme sich eine knappe Stunde Zeit und analysiere den oben verlinkten Vortrag von der re:publica 11 – da gibt es viel Selbstreferentielles und nicht viel wirklich Neues (das Stilmittel der „Publikumsbeschimpfung“ etwa ist von Handke, 1966), und doch hört man dem ehemaligen Clown mit dem Irokesen-Logo jetzt anders zu. Wie viel Fleißarbeit und leidvoll erworbene Fähigkeit zur Selbstironie (keine dezidiert männliche oder gar deutsche Eigenschaft, nicht wahr) notwendig gewesen sein muss, damit er sich jetzt als Netz-Theoretiker neu erfinden kann und dabei noch Späßchen hat (indem er die Veranstaltung nutzt, um seine hidden agenda und zugleich seine beste Anti-Troll-Maßnahme, nämlich die akzeptierende Umarmung im größtmöglichen, globalen!, Rahmen, stringent unterzubringen) – das ist schon sehr niedlich!
Archiv für die Kategorie ‘What's cool’
Warum Manager versagen
In Kreativität, What's cool am 19. Januar 2011 um 21:12
Dieses hübsche Stück kursiert schon eine Weile im Netz, aber weil ich’s gerade auf Alex Bogusky’s schönem Blog FearLess Revolution fand, guckte ich es nochmal an – und fand es wieder motivierend.
Wo Ideen Sex haben können
In Kreativität, Neo-Feminismus, What's cool am 6. Oktober 2010 um 14:35Gute Ideen brauchen Zeit, um sich zu entwickeln, sagt Steven Johnson, Verfasser von Die neue Intelligenz. Warum wir durch Computerspiele und TV klüger werden. Und gute Ideen brauchen Räume, in denen sie Sex haben können – denn die wirklich großen Sachen, so Johnson, seien im Team oder innerhalb eines Netzwerks entstanden: Eine Person hatte eine halbe gute Idee, irgendwann hatte eine andere Person die zweite Hälfte dazu – und Bingo! Aktuellster Beleg für diese These ist “Social Network” – Zuck wäre solo wahrscheinlich nicht so schnell so weit gekommen mit seiner Idee. Früher gab es (Frei-)Räume für Kreativität zum Beispiel in Kaffeehäusern, heute in Bürokantinen und im Internet… Johnsons neues Buch Where Good Ideas Come From ist gerade erschienen, und die Werbung dafür im bewährten RSA Animate-Stil ist ziemlich cool:
Alles sehr tröstlich für Werbetexter im stuck state, oder für Neo-Feministinnen, die an der schleppenden Umsetzung der guten Idee, dass Männer und Frauen doch eigentlich sinnvoll zusammen arbeiten könnten, schier verzweifeln möchten… Sehen Sie dazu auch Johnsons TED Talk vom Sommer 2010 zum Thema „Chance Favoures the Connected Mind“.
An diesen Autor erinnert hat mich übrigens ein Post auf feminnovation (schon klar, dass ich auf so einen Namen anspringe).
Die Welt wird Tauschbörse
In Neue Wege, What's cool am 5. September 2010 um 11:30Rachel Botsman ist eine Frau mit einer Mission: Collaborative Consumption, frei übersetzt etwa „Gemeinsam Kreativ Konsumieren“, heißt ihr Projekt, zu dem auch bald das Buch “What’s mine is yours” herauskommen wird:
(über lead/marke)
Botsman ist zuversichtlich, dass die Kreditwürdigkeit der Zukunft nicht mehr in Geld, sondern in persönlicher Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit gemessen werden wird. Plattformen nach Ebay-Muster und aufstrebende Sparten wie Auto-, Fahrrad- und Wohnungs-Sharing geben ihr womöglich recht. Ob das in Deutschland in absehbarer Zukunft funktionieren wird, wage ich zu bezweifeln – wir sind zu incommunicado, zu besessen vom Besitzen (weshalb ich für die deutsche Übersetzung dringend einen anderen Titel vorschlage). Nehmen wir eine Freundin zum Beispiel. Sie wohnt eine Hausnummer weiter, und ihr Auto steht den halben Tag am gleichen Fleck. Als meine Karre den Geist aufgab und ich ihr Car-Sharing vorschlug, lehnte sie ab: Sie müsse das G e f ü h l haben, sie könne jederzeit das Auto benutzen, ohne sich mit irgend jemand absprechen zu müssen. Weil in unserer Gegend (noch) kein Carpool in Gehweite existiert, fragte ich also bei den Nachbarn nach – ach, Abnutzung, Unfallrisiko, tralala, alles sooo kompliziert (was es mit den richtigen Verträgen nicht wäre, das nur nebenbei). Hab ich mir also wieder ein eigenes Auto gekauft. Das steht auch 23 Stunden täglich am gleichen Fleck. Sehr vernünftig, oder?
Schmerzmittel-Werbung…
In Werbung, What's cool am 25. August 2010 um 13:12… mal anders. Zum Beispiel, indem man sich darüber lustig macht, wie lange Männer brauchen, um auf körperliche Signale (naja, eines mal ausgenommen) zu achten:
Adsoftheworld, über Agadugu. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.
Schockt Eure Homies
In Bisschen Spass muss sein, Next, What's cool am 9. Juli 2010 um 09:37Lesen gehört, wie bereits erwähnt, für eine schwindende Gruppe von Menschen zu den sommerlichen Vergnügungen. Heute empfehle ich einen Gamer-Thriller von Daniel Suarez: „Daemon – die Welt ist nur ein Spiel“ (rororo, € 15,-), kongenial übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann. Suarez betrachtet Bots auch im wahren Leben als Parasiten; im KulturSPIEGEL-Interview (7/2010) antwortet er auf die Frage Wie schützt sich ein Software-Spezialist wie Sie?: „Ich habe keine Facebook-Seite. Ich twittere nicht. Ich biete nicht viel Angriffsfläche (…) Eine sehr kleine Gruppe von Mächtigen entscheidet, was mit unseren Daten geschieht, und diese Leute nutzen Bots, um ihre Ziele umzusetzen. Das hat nichts mehr mit Demokratie zu tun. Es geht nur noch um Effizienz.“
(Das Pic kommt über Medienlotse)
Nachtrag: Dass die in diesem Buch und im Folgeband “Freedom TM” vorgestellte Technologie keine Science Fiction ist, beweist das Video in Paracudas Beitrag.
Von den Brasilianern lernen
In Kreativität, TV Spots, What's cool am 27. Mai 2010 um 09:45Naaah, es ist nicht von Waxing die Rede, ts, ts … Kollegin Talinee hat einen Vorschlag, wie auch eher erbauliche Institutionen wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) ihre Anliegen aufmerksamkeitsstark unter die Leute bringen könnten. Schaut mal diesen Spot, witzige Idee:
Die üblichen Verdächtigen
In What's cool am 15. April 2010 um 13:05Schon eigenartig. Wenn ich in der GAZETTE diese Sache (also, dass es Männer und Frauen gibt, und dass die möglicheweise ein klein wenig unterschiedlich ticken) auch nur am Rande erwähne, bekomme ich schrille Leserbriefe. Wenn die Notizen auf meiner Seite TÄGLICH SEX MINUTEN DEUTSCHLAND verlinkt werden, dann gern mit dem Hinweis, das sei aber bitteschön eine weibliche Sicht auf unsere Heimat. Oder gleich ein „typisches Feministenblog“. Hallo? Dass – ohne jetzt irgend jemand nahe treten zu wollen – alte weiße Männer in unserer Welt das Sagen haben, ist ja weder neu noch besonders aufregend. Spannend finde ich höchstens, dass DLD (siehe Eintrag vom 24. März 2010) oder, ganz aktuell, re:publica („Kirchentag der Internetgemeinde“ nennt der Stern die Veranstaltung) das Frauen-Thema immerhin aufgreifen, wenn auch auf höchst unterschiedliche Weise. Heute sprechen zum Beispiel in Berlin u.a. Anna Berg und Anne Roth. Hier ist das Video:
Ansonsten müssen wir wahrscheinlich einfach abwarten, bis a l l e üblichen Verdächtigen (Jeff Jarvis war schon da und erzählte viel über seine Prostata) auf a l l e n Kongressen x mal aufgetreten sind – dann kommen irgendwann mehr weibliche Inhalte auf die Agenda. Schon um das große Gähnen zu vermeiden.
Nachtrag: Von wegen “post gender” – das ist auch anderen aufgefallen, z. B. den Österreicherinnen.
Nachtrag II: Mit ein bisschen Denkarbeit kann man Prof. Kruses Vortrag – er zeigt, wie unterschiedliche Werte auf der unbewussten Ebene eine Verständigung auf der sachlichen erschweren – auch auf die Gender-Diskussion übertragen: Vielleicht suchen Männer und Frauen im Netz jeweils etwas anderes?
Danke für die Linkliste mit den Kongressberichten an Frau Elise
Dumm gelaufen
In What's cool am 1. April 2010 um 13:55Manche sind einfach zu langsam – und jammern dann, dass Social Networking sich nicht auszahlt… Über Frank T. Zumbachs Mysterious World



