WEIBLICH WERBEN im WEB

Archive for März 2010|Monthly archive page

Handy mit Strass als Give-away?

In Frauen, Social Media on 24. März 2010 at 13:44

DLD (Digital, Life, Design) gibt’s jetzt auch für Frauen: „Das Themenspektrum wird u.a. auf Frauen als Zielgruppe ausgerichtet sein – wie erreicht man das weibliche Geschlecht mit Brand Marketing, in Social Media oder für E-Commerce usw. Männer sind als Teilnehmen auch willkommen. Ende März soll die Homepage DLDWomen stehen“, berichtet Nina Kirst für kress. Interessant fand ich die ersten Kommentare auf facebook – da ist von „Frauenquote“ und „Auslagerung“ die Rede, und Janine Griffel fragt sich, ob am Ende jede ein Prada-Handy mit Strass-Steinchen kriegt… Nicht jede/r ist also auf Anhieb beeindruckt. Mal sehen, ob die Konferenz-Macher die Chance nutzen, tatsächlich weibliche Themen voran zu bringen.

Nachtrag: Ach so, Bier und Sandwiches mögen Männer und Frauen gleich gern – als zusätzliches Zuckerl für die Damenwelt empfiehlt Margaret Eby in diesem Beitrag auf Salon.com Pferde. Vielleicht bucht man ja „Apasionata“ fürs Rahmenprogramm?

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Social Networks in Crime

In Social Media on 23. März 2010 at 13:05

In der Mitte der Gesellschaft sind die sozialen Netzwerke spätestens dann angekommen, wenn die Unterhaltung sie aufgreift. Krimi-Freunden ist Jeffery Deaver als Erfinder von Lincoln Rhyme ein Begriff, dem gelähmten Tatortspezialisten und Profiler (einer seiner Fälle, The Bone Collector, wurde mit Denzel Washington und Angelina Jolie verfilmt). In Deavers neuem Buch Roadside Crosses (Simon & Schuster/Pocket Books) spielt ein Blog die Hauptrolle: Durch ablehnende und rufschädigende Posts auf http://thechiltonreport.com wird ein Jugendlicher von Cyberbullies zur Gewalttätigkeit getrieben… so scheint es jedenfalls. Cleverer Trick des Autors: Wer auf den Link klickt, kommt auf eine Werbeseite für das schöne Monterey, wo sich die Handlung des Romans zuträgt. Die Ermittlerin Kathryn Dance macht in allerdings keine so brillante Figur wie ihr Vorgänger Rhyme – um die realen Anschriften hinter den IP-Adressen zu ermitteln, braucht sie männliche Hilfe, und auch die Gefährlichkeit von Gamern überschätzt sie maßlos. Immerhin, in der Welt von Facebook & Co. wirkt dieser Krimi zeitgemäßer als viele andere Werke dieses Genres, in denen immer noch verzweifelt die nächste Telefonzelle gesucht wird, sobald ein Verbrechen geschehen ist.

Weiblich werben, hehe

In Männerwelt on 17. März 2010 at 16:51

Die Münchner Abendzeitung meldet heute: „Den deutschen Werberat erreichten im vergangenen Jahr Proteste gegen 255 Werbekampagnen. Unmut wurde vor allem wegen Frauenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und Missachtung moralischer Mindestanforderungen laut.“ Und wie wär’s mit: Purer Blödheit? Oder wie soll man es nennen, wenn ein Küchengerätehersteller seine Ware mit diesem Motiv (via 11k2, dankeschön) an den Mann bringen will? Ein Kerl guckt sich vielleicht die Tusse an, aber ob er den Kühlschrank überhaupt bemerkt, ist doch sehr fraglich.

Dem Kommentar (danke, Fritz) entnehme ich, dass dies kein Kühlschrank ist. Egal, schaut eh keiner an, das Teil. Wzbw.

Mehr ist nicht immer mehr

In Social Media on 16. März 2010 at 15:25

Hier kommt, wie versprochen, mehr zum Nachtrag I des Beitrags vom 9. März: In der neuen GAZETTE (S. 94) las ich mit Interesse Christian Müllers Besprechung von Stephan Ruß-Mohls Buch Kreative Zerstörung. Niedergang und Neuerfindung des Zeitungsjournalismus in den USA (UKV, € 49,90). Klar haben auch hierzulande viele Blattmacher Schiss vor dem Internet, und natürlich tun sich manche Redakteure noch bissl schwer mit den diversen Social Media-Möglichkeiten. So kommt es, dass jetzt praktisch jedes Reichweiten-Magazin, jeder Special Interest-Titel seine eigene Facebook-Seite gestaltet und dafür mächtig um „Fans“ buhlt. Im Prinzip nichts dagegen einzuwenden – nur, Kollegen: Weniger ist manchmal mehr. Man muss nicht im gefühlten Rhythmus von zehn Minuten updaten! Ich erwarte schon die eine oder andere relevante Meldung, aber ich will meine Pinnwand nicht ständig mit sich überschlagenden News zugekleistert kriegen. Werbung ist in Ordnung, solange sie sich nicht wie ein hysterischer Ausbruch oder gleich wie Spam anfühlt. Denn davon wäre ich dann doch lieber kein „Fan“, wenn ich’s mir recht überlege.

Schönen Gruß an alle Freunde des Schneller. Höher. Mehr.

In What's cool on 13. März 2010 at 14:05

Via Dr. Glunk

Kreativität entsteht aus Entspannung

In Neue Wege on 12. März 2010 at 21:46

Leonie Walter interviewte unlängst auf dem Visuelle PR-Blog, wo ich gern vorbeischaue, eine PR-Managerin. Und jetzt achten Sie mal auf den ersten Kommentar – schätze, da sind wir einer interessanten Sache auf der Spur: „Man sollte kein Blog aufsetzen, wenn man dazu a) keine Zeit und b) keine Strategie hat. Denn nichts ist peinlicher, als wenn ein Blog vor sich hin `gammelt´ und der aktuellste Eintrag acht Wochen zurückliegt.“ W e m ist das peinlich? Vielleicht Leuten, die der calvinistischen Arbeitsmoral und dem (männlichen?) Omnipräsenz-Wahn auf den Leim gegangen sind? Ich jedenfalls bekomme, wenn ich so etwas lese, sofort Lust, acht Wochen auf Phuket abzuhängen. Gut, damit die zahlenden Kunden zufrieden bleiben, sorge ich für kompetente Vertretung – aber auf Blog-Leser, die jeden Tag neues Klick-Futter fordern, sich nie frühere Beiträge zu Gemüte führen oder gar auf angebotene Links klicken, auf die kann ich verzichten, da sind mir meine Stats egal. „Man sollte“, soso. Darüber ist doch schon der Journalismus kaputt gegangen – jeden Tag ein neuer Scoop, sonst biste weg vom Fenster… schaut doch, was diese Anbiederung an das sensationsgeile Publikum gebracht hat. Ich denke, es ist Zeit für etwas anderes. Für eine neue Art zu arbeiten, zu veröffentlichen. Und wenn das bedeutet, dass sich ein/e Blogger/in acht Wochen Aus-Zeit zum Nachdenken nimmt: Cool! Er oder sie ist wahrscheinlich genau deswegen nicht Tageszeitungs-Journalist/in geworden. Viele Blogger fühlen sich dennoch von den (phantasierten?) Erwartungen der Leserschaft getrieben. Das Resultat: Sie verlieren sich in selbstreferentiellen Diskussionen (die unter Männern gern in Beschimpfungen ausarten), einer schreibt vom anderen ab, originäre Ideen kommen höchstens noch aus den USA, wo wahrscheinlich ein paar Kiffer ganz zurückgelehnt herum“gammeln“ und dabei neue „Strategien“ (auch so ein Schachspieler/Manager/Kampfsportler-Wort) ausbrüten… Bei Arthur Koestler gibt es den schönen Ausdruck `réculer pour mieux sauter´ – sich zurückziehen, um besser zu springen. Mir fehlt das Entspannte in deutschen `Profi´-Blogs. Das wäre vielleicht etwas, bei dem Frauen vorangehen können. Sie stehen – noch? – nicht unter dem brutalen Erwartungsdruck, dem sich die männlichen Kollegen ausgesetzt fühlen. Und vielleicht spüren sie tatsächlich schneller, wann’s reicht. Wann Innehalten produktiver ist als stets dem Allerneuesten hinterher zu hecheln. Um d a n n vielleicht die Kundschaft mit einer neuen, witzigen, eigenen Idee zu überraschen?

Zeitverschwendung?

In Journalismus, Männerwelt on 9. März 2010 at 17:22

Fragt mich ein Kollege, gestandener Journalist: Existieren eigentlich Zahlen darüber, wie viele Mann(Frau)/Stunden der deutschen Volkswirtschaft dadurch verloren gehen, dass die Leute sich tagsüber bei Twitter, Facebook & Co. herumtreiben? (Eine echte Männer-Frage.) Hm. Bei Freiberuflern gibt es sicher keine Verluste, denn die sind einerseits auf Netzwerken angewiesen – und müssen andererseits die vertwitterte und verfacebookte Zeit ohnehin wieder reinarbeiten. Und die Angestellten? Nun ja, die haben doch schon immer, und sei es mal rasch in der Mittagspause, ihre Witzchen und Videos rumgeschickt, früher eben per E-Mail. Wo ist der Unterschied zum kleinen Plausch am Arbeitsplatz? Auch virtuell hebt er die Stimmung im Büro, und wie könnte das der Volkswirtschaft schaden? Entspann dich, Mann.

Nachtrag I: Dass Social Networking nicht nur das Verbraucherverhalten, sondern auch den Journalismus verändert, pfeifen mittlerweile die Spatzen von den Dächern. Mehr dazu am 15. März, wenn die neue GAZETTE herauskommt.

Nachtrag II: Weiterführende Lektüre: Michael Konitzer – übrigens auch ein gestandener Journalist – stellt die These auf, dass soziale Dienste wie Facebook & Co. nicht nur (dem Kommunikationsverhalten) n i c h t schädlich sind, sondern sogar die guten Seiten der User herausarbeiten. Nachzulesen auf The Difference.

Geben, geben, geben

In Sag mir wo die Frauen sind on 6. März 2010 at 13:02

Ein Drittel aller Blogger weltweit sind Frauen. Auf den allseits beliebten Listen der „einflussreichsten“ Blogs tauchen sie allerdings nicht besonders weit oben auf. Bei rivva etwa – um nur mal ein paar deutsche Beispiele zu nennen – dümpelt die Mädchenmannschaft (ich liebe den Namen!) auf den 60er-Plätzen, eine der poetischsten Mütter des deutschen Blogs, Anke Groener, auf den190er und die gestandene Publizistin Cora Stephan gar auf 500er-Plätzen herum. Und das, obwohl sich keine von denen mit „Katzen-Content“ und „Blümchen-Fotos“ aufhält, wie Männer das Phänomen mangelnder weiblicher Präsenz oft zu begründen wissen. Bei Bittenfeld, danke sehr, habe ich einen Schnipsel gefunden, der (zumindest mir) manches erklärt:

Zum Beispiel, dass eine narzisstische Akzentuierung der Persönlichkeit nicht stört. Recht hilfreich kann auch sein, wenig Angst davor zu haben, als arrogant und unsympathisch ‚rüberzukommen… dann klappt’s auch mit der A-Liste. (Lesen Sie dazu bitte gern meinen Eintrag 44 auf TÄGLICH SEX MINUTEN DEUTSCHLAND) Was ich aber auch gelernt habe: Soziales Netzwerken hat vor allem mit Geben zu tun. Die schöne alte Tugend des Gebens, revisited. Ohne aufs sofortige Outcome zu starren. Aus Spaß. Mit Herzblut. (Das hat eine/r im Netz schon viel schöner formuliert, aber ich finde die Stelle nicht mehr, was mich zum nächsten Punkt führt: Immer brav die Quelle der Information nennen – für alle, die den Unterschied zwischen „Teilen“ und „Klauen“ immer noch nicht begriffen haben.)
Nachtrag: Anne Roths interessante Ausführungen zu Frauenblogs finden Sie hier.

Die Frage der Authentizität

In Social Media on 6. März 2010 at 10:36

Vielleicht geht es ja nur solchen – von zu langer Beschäftigung mit Werbung – versifften Hirnen wie meinem so? Ich empfinde die zwischen „Kundendialog“ und „Wie ermittelt man hier mal rasch den RoI“ changierende Diskussion zunehmend als heuchlerisch. Unterschwellig denke ich bei manchen Blog-Beiträgen von Leuten, die ich nicht persönlich kenne: Ist das jetzt bezahlt? Nehmen wir dieses Beispiel von Indiskretion Ehrensache. Direkt gefragt, Herr Knüwer: Sollte bei dem Lob für den twitter-Einsatz eines Drogeriemarktes aus dem Jahr 2009 in Print das kleine Wort „Anzeige“ drüber stehen? Und entwickeln Communities ohne Bezug zur Branche ein ähnliches Misstrauen – und zwar nicht erst seit dem Blogger-Testimonials-Reinfall der Süddeutschen mit ihren Apps? Mein Verdacht: Müssen wir uns eventuell für Werbung im Web 2.0 wirklich neue Wege ausdenken, um authentische Begeisterung zu generieren? Wie soll das konkret aussehen? Mensch, was weiß ich. Ehrlichkeit ist auf jeden Fall ein Anfang. Ich wette, die ersten hundert Markenartikler, die ihre Tweets mit „Und nun zur Werbung“ oder ihre Status-Aktualisierungen mit „Produktneuheit – nur für Interessierte“ überschreiben, gewinnen mehr als nur einen Blumentopf.

Die Social Marketing-Opas

In What's cool on 1. März 2010 at 14:59

Man man durchaus über den Online-Auftritt der Süddeutschen Zeitung meckern – auf Holz finden sich immer wieder interessante Anregungen. In der Ausgabe vom 20./21. 2. 2010 etwa  meldet eye, dass sich die Wirtschaftswissenschaften für das Geschäftsmodell Grateful Dead zu interessieren beginnen: „… ein Modell, aus dem man vieles lesen kann, was der Wirtschaft heute so rätselhaft erscheint – die Krisenfestigkeit des kleinen und mittleren Unternehmers in einem Markt, der von Konzernen dominiert wird; die Dynamik nicht-hierarchischer sozialer Netzwerke; die Wertschöpfung für Marken durch Gratisware; das Markenerlebnis auf Augenhöhe des Kunden als entscheidender Faktor…“. Ja, die Dead hatten nichts gegen Bootlegs, frei nach dem Refrain von „A Touch of Grey“: It is okay, we will get by, we will survive.

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