WEIBLICH WERBEN im WEB

Kreativität entsteht aus Entspannung

In Neue Wege on 12. März 2010 at 21:46

Leonie Walter interviewte unlängst auf dem Visuelle PR-Blog, wo ich gern vorbeischaue, eine PR-Managerin. Und jetzt achten Sie mal auf den ersten Kommentar – schätze, da sind wir einer interessanten Sache auf der Spur: „Man sollte kein Blog aufsetzen, wenn man dazu a) keine Zeit und b) keine Strategie hat. Denn nichts ist peinlicher, als wenn ein Blog vor sich hin `gammelt´ und der aktuellste Eintrag acht Wochen zurückliegt.“ W e m ist das peinlich? Vielleicht Leuten, die der calvinistischen Arbeitsmoral und dem (männlichen?) Omnipräsenz-Wahn auf den Leim gegangen sind? Ich jedenfalls bekomme, wenn ich so etwas lese, sofort Lust, acht Wochen auf Phuket abzuhängen. Gut, damit die zahlenden Kunden zufrieden bleiben, sorge ich für kompetente Vertretung – aber auf Blog-Leser, die jeden Tag neues Klick-Futter fordern, sich nie frühere Beiträge zu Gemüte führen oder gar auf angebotene Links klicken, auf die kann ich verzichten, da sind mir meine Stats egal. „Man sollte“, soso. Darüber ist doch schon der Journalismus kaputt gegangen – jeden Tag ein neuer Scoop, sonst biste weg vom Fenster… schaut doch, was diese Anbiederung an das sensationsgeile Publikum gebracht hat. Ich denke, es ist Zeit für etwas anderes. Für eine neue Art zu arbeiten, zu veröffentlichen. Und wenn das bedeutet, dass sich ein/e Blogger/in acht Wochen Aus-Zeit zum Nachdenken nimmt: Cool! Er oder sie ist wahrscheinlich genau deswegen nicht Tageszeitungs-Journalist/in geworden. Viele Blogger fühlen sich dennoch von den (phantasierten?) Erwartungen der Leserschaft getrieben. Das Resultat: Sie verlieren sich in selbstreferentiellen Diskussionen (die unter Männern gern in Beschimpfungen ausarten), einer schreibt vom anderen ab, originäre Ideen kommen höchstens noch aus den USA, wo wahrscheinlich ein paar Kiffer ganz zurückgelehnt herum“gammeln“ und dabei neue „Strategien“ (auch so ein Schachspieler/Manager/Kampfsportler-Wort) ausbrüten… Bei Arthur Koestler gibt es den schönen Ausdruck `réculer pour mieux sauter´ – sich zurückziehen, um besser zu springen. Mir fehlt das Entspannte in deutschen `Profi´-Blogs. Das wäre vielleicht etwas, bei dem Frauen vorangehen können. Sie stehen – noch? – nicht unter dem brutalen Erwartungsdruck, dem sich die männlichen Kollegen ausgesetzt fühlen. Und vielleicht spüren sie tatsächlich schneller, wann’s reicht. Wann Innehalten produktiver ist als stets dem Allerneuesten hinterher zu hecheln. Um d a n n vielleicht die Kundschaft mit einer neuen, witzigen, eigenen Idee zu überraschen?

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