WEIBLICH WERBEN im WEB

Archive for Oktober 2010|Monthly archive page

Utopisch, praktisch, gut

In Konsum, Neue Wege, Werbefrauen on 29. Oktober 2010 at 09:16

Heute mal wieder einer aus der Reihe „Frauen mit einer Mission“. 2007 gründete die ehemalige Werberin Claudia Langer Utopia, eine Internet-Plattform für vernünftiges Konsumieren. Hier kann sich informieren, wer schnell und bequem einen echten Ökostromanbieter sucht, etwas über Elektroautos oder Biokost erfahren will. Langers Credo: „Wenn wir Verbraucher mit unserem Konsum deutliche Zeichen setzen, können wir nachhaltig die Welt verändern. Wir haben die Pflicht und die Chance, jetzt die Dinge in die Hand zu nehmen – Utopia ist erreichbar!“ Es zeugt von Selbstbewusstsein, sich selbst „Utopist“ zu nennen – eine Bezeichnung, die viele mit „Spinner“ gleichsetzen. Aber Langer hat Sponsoren gefunden, einen Award und eine Stiftung ins Leben gerufen, und eine Utopia-Konferenz, die gerade in Berlin über die Bühne geht. Im BR alpha Forum gab es ein sehr informatives Gespräch mit der Utopistin, das man hier nachlesen kann.

Gläserne Decke? Eher ein Labyrinth.

In Feminismus, Frauen-Berufe ... Männer-Berufe, Neue Wege on 27. Oktober 2010 at 10:31

Am Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern habe sich in den letzten Jahren nichts geändert, erklärt das Statistische Bundesamt. Das läge zum einen daran, dass Frauen in Branchen arbeiteten, in denen weniger gezahlt wird, und das sie nicht so hohe Positionen erreichten. „Zu einem Drittel ging das Verdienstgefälle allerdings auch darauf zurück, dass Frauen bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit je Stunde durchschnittlich acht Prozent weniger verdienten als ihre männlichen Kollegen.“ (AZ, 26.10. 2010) Nicht genug Frauen in leitenden Positionen? Klar, sagt die amerikanische Sozialpsychologin Alice Eagly, doch die Benachteiligung beginnt eben schon ganz unten in der Hierarchie. Hier ihr Vortrag (über Big Think, auch die anderen Artikel von John Cookson sind lesenswert). Übrigens: Nur in den Niederlanden, Großbritannien, der Slowakei, Österreich und Estland verirren sich europäische Frauen noch heilloser im Niedriglohn-Labyrinth als in Deutschland.

App 17

In Frauen, Werbung on 25. Oktober 2010 at 16:59

Vogue wird 90, und die alte Dame hat doch noch so viel Sex Appeal (glaubt Apple), dass Jugendliche erst ab 17 in die Feier-App gucken dürfen. Wie blöd ist das denn?


Im Ernst, jede skandinavische Modebloggerin mit einem Hauch Selbstachtung hat doch mit 17 längst a u f g e h ö r t, die Vogue anzuschauen, und Tipps von der Erbtante nehmen eh nur noch 36jährige Bürokauffrauen und schwule Grafiker jeden Alters an (und denen geht’s nur um Layout-Ideen). Die ganze Nipplegate-Jobberei nervt langsam nur noch. Lesen Sie dazu Ralf Schwartz (er gibt auch bei den Kommentaren noch eine feine Empfehlung) im Werbeblogger.

Ken Loach sagt, wie’s ist

In Kreativität, Neue Wege, Werbung on 22. Oktober 2010 at 09:41

Im Sommer äußerte ich schon einmal eine gewisse Frustration darüber, dass durch die neue Ängstlichkeit, die in unserer Branche herrscht, kaum noch gute Werbung passieren kann – weil Ideen die Hierarchie der Dummen und Vorlauten nicht durchdringen. Oder die Umsetzung von Ideen „zu teuer“ ist. Oder solche Ideen womöglich etwas mit dem wirklichen Leben des Publikums zu tun haben. Der bekannte Filmemacher Ken Loach regt sich nun in seiner Rede zur Eröffnung des Londoner Filmfestivals darüber auf, wieso sich seine Kollegen – auch die guten – Arbeitsbedingungen gefallen lassen, die jede Lebendigkeit töten, jede Idee im Ansatz ersticken… oh, geht’s denen auch so? Er sollte sich mal bei uns umschauen. Hören Sie sich an, was er zu sagen hat, und denken Sie einfach „Werbung“ statt „Filmindustrie“:

Wo Ideen Sex haben können

In Kreativität, Neo-Feminismus, What's cool on 6. Oktober 2010 at 14:35

Gute Ideen brauchen Zeit, um sich zu entwickeln, sagt Steven Johnson, Verfasser von Die neue Intelligenz. Warum wir durch Computerspiele und TV klüger werden. Und gute Ideen brauchen Räume, in denen sie Sex haben können – denn die wirklich großen Sachen, so Johnson,  seien im Team oder innerhalb eines Netzwerks entstanden: Eine Person hatte eine halbe gute Idee, irgendwann hatte eine andere Person die zweite Hälfte dazu – und Bingo! Aktuellster Beleg für diese These ist „Social Network“ – Zuck wäre solo wahrscheinlich nicht so schnell so weit gekommen mit seiner Idee. Früher gab es (Frei-)Räume für Kreativität zum Beispiel in Kaffeehäusern, heute in Bürokantinen und im Internet… Johnsons neues Buch Where Good Ideas Come From ist gerade erschienen, und die Werbung dafür im bewährten RSA Animate-Stil ist ziemlich cool:

Alles sehr tröstlich für Werbetexter im stuck state, oder für Neo-Feministinnen, die an der schleppenden Umsetzung der guten Idee, dass Männer und Frauen doch eigentlich sinnvoll zusammen arbeiten könnten, schier verzweifeln möchten… Sehen Sie dazu auch Johnsons TED Talk vom Sommer 2010 zum Thema „Chance Favoures the Connected Mind„.

An diesen Autor erinnert hat mich übrigens ein Post auf feminnovation (schon klar, dass ich auf so einen Namen anspringe).

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